Lehrlingsarbeit: Rundbogen-Vitrine

2013, April

Beitrag von Lucas Schönbächler, Schreiner-Lehrling, Fachrichtung Möbel/Innenausbau

Von Martin Röllin erhielt ich den Auftrag, aus einem alten, halbrunden Fensterflügel, eine Vitrine zu machen. Diese Arbeit war für mich eine richtige Herausforderung, denn ich habe noch nie etwas in dieser Art gemacht. Viele Schweisstropfen später konnte ich mein erbautes Möbel einer glücklichen Kundin überreichen. Wie ich aber zu diesem Ziel kam, beschreibe ich in den einzelnen Schritten.

 

1. Vorbereitung des Fensters

Das bestehende Fenster war mit einem Holzwetterschenkel versehen. Diesen entfernte ich mit Hilfe der Handhobelmaschine. Die noch kleinen Differenzen schliff ich weg. Die alten Fischerbänder entfernte ich mit der Zange. Für die neuen Bänder bohrte ich 8 mm Löcher an den richtigen Stellen.

2. Rundbogen für Korpus herstellen

Für den Bogen benötigte ich zwei Materialien: Topan (mehrfach genutete MDF- Platte) und rohen Kunstharz. Diesen schnitt ich auf der Horizontalplattenfräse zu.

Um den Korpusbogen rund zu Verleimen, benötigte ich eine Halbkreislehre. Die Bogenteile für diese Lehre stellte ich mit der Handoberfräse her. Das geschah wie folgt: Ich bohrte, wie auf dem Bild zu sehen ist, ein Loch unten in der Mitte und steckte einen Dübel hinein. In das Kantholz gab es auch ein Loch, an welches ich die Handoberfräse mit entsprechendem Werkzeug spannte.

Mit einem Gespann konnte ich Kreise ziehen, wie mit einem Zirkel. Als die Halbkreise für die Lehre fertig waren, verschraubte ich die Teile und schoss mit Klammern eine dünne Platte auf die Rundung.

Als nächsten Schritt verleimte ich die Topanplatten und den Kunstharz mit Hilfe der Lehre zum Korpusbogen. Den Leim verteilte ich mit dem Leimroller. Mein Mitarbeiter half mir dann, die einzelnen Lagen übereinander zu legen und anschliessend mit Spannsets das «Sandwich» anzuziehen. Mit Schrankzwingen zog ich die beiden unteren Sandwich-Enden sauber an die Lehre.

Auf der Stirne des Korpusbogens sind die Öffnungen vom Topan ersichtlich. Diese werden durch Ankleben und bündig Fräsen einer Kunstharzplatte geschlossen.

3. Die Unterkonstruktion

Den Rückwand-Rahmen versah ich mit zwei Ausfräsungen für die Bettladenbeschläge. Diese wurden vor dem Rundfräsen gemacht, damit ich einen geraden Anschlag für die Oberfräse hatte. Danach fräste ich den Rundbogen aus.

Die Verbindung der beiden Teile des Rückwandrahmens machte ich mit der «Domino-Dübelfräse».

4. Boden und Zwischenboden

Für den Korpusboden benötigte ich einen Einleimer aus Massivholz, damit die Beschlägeschrauben greifen. Mit der Kehlmaschine machte ich eine grosse Nut, damit das zurechtgehobelte Holz hinein passt. Das Holz leimte ich in die Nut. Nach dem Trocknen des Leimes schnitt ich es bündig und klebte mit der Kantenleimmaschine eine ABS-Spritzkante auf. Der Zwischenboden wird benötig, um das Vorschaltgerät des LED-Lichtes sauber und unsichtbar zu verstauen. Dieses Distanzholz leimte ich mit Lamellos auf den Zwischenboden. Als der Boden fertig war konnte ich die Einzelteile zusammen bauen. Zu meiner Erleichterung stimmte alles.

Für die neuen Bänder machte ich eine exakte Ausfräsung, damit sie versenkt sind.

5. Die Rückwand

Die Rückwand fräste ich wie bereits beschrieben und schliff anschliessend die kleinen Unebenheiten hinaus.

6. Der Finish

Nach dem Abdecken der nicht zu bemalenden Stellen, strich ich zuerst eine Grundierung auf. Später folgten noch zwei weisse Farbanstriche. Nach dem Austrocknen klebte ich innen am Korpusbogen das LED Band auf. Zum Schluss stellte ich alle Teile zur fertigen Rundbogenvitrine zusammen.

Am Schluss sah das Möbel bei der Kundin so aus, wie auf dem letzten Foto. Ich bin sehr erleichtert, dass die Vitrine der Kundin gefällt.